Dieser Artikel stellt größtenteils einen Auszug aus der „Gemeinsamen Erklärung über die Zusammenarbeit“ des BMFSFJ mit der WIE dar, die heute unterzeichnet wurde.
Die WIE - Wirtschaft. Initiative. Engagement. und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) werden in den Themenfeldern Corporate Volunteering und Wirkungsmessung von gesellschaftlichem Engagement projektbezogen zusammenarbeiten.
Bei der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements wählen Staat und Wirtschaftsunternehmen unterschiedliche Ansätze und Methoden, verfügen über unterschiedliche Kompetenzen und Ressourcen und vertreten unterschiedliche Perspektiven.
Die Kooperation soll zum einen die sektorspezifischen Stärken und Kompetenzen der Partner zusammenbringen; zum anderen soll die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen dem BMFSFJ und der WIE dazu beitragen, von- und miteinander zu lernen, die Dialog- und die Sprachfähigkeit sowie das Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven und Handlungslogiken der Sektoren zu stärken.
Corporate Volunteering
Mit Corporate Volunteering, der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, setzen Unternehmen eine ihrer kraftvollsten Ressourcen für gesellschaftliche Aufgaben ein. So nehmen Unternehmen - in aller Regel in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen - eine wichtige Rolle bei der Motivierung, Ermöglichung und Aktivierung von bürgerschaftlichem Engagement ein. Gleichzeitig profitieren sie selbst von der Sichtbarkeit als Corporate Citizen, die sie durch das Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten, und auch aus der Perspektive der Personalentwicklung durch die Vertiefung von Soft Skills, von der damit einhergehenden Steigerung der Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und von Kontakten zu wichtigen zivilgesellschaftlichen Stakeholdern, u.a.m.
Die überwiegende Zahl der in der WIE zusammengeschlossenen Unternehmen hat ein Corporate Volunteering Programm. Auch öffentliche Arbeitgeber werden sich ihrer Rolle als potentielle Förderer des bürgerschaftlichen Engagements ihrer Beschäftigten bewusst und erkennen das Potential für das Gemeinwohl sowie für die Weiterentwicklung der eigenen Organisation.
So plant das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ein eigenes Volunteeringprogramm aufzusetzen. Durch eine Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden die Interessen und Erwartungen der (potentiellen) Freiwilligen ermittelt. Die Ergebnisse dieser Befragung sollen auch in die Zusammenarbeit mit der WIE einfließen. Das BMFSFJ wiederum kann von den Erfahrungen und der Kompetenz der WIE-Unternehmen profitieren. Dabei können gemeinsam mit der Zivilgesellschaft neue Formate der Zusammenarbeit entwickelt werden.
WIE und BMFSFJ leisten somit auch einen Diskussionsbeitrag zu Fragen der Infrastrukturentwicklung für bürgerschaftliches Engagement, indem sie die Rolle von Unternehmen, öffentlichen Arbeitgebern und generell von Organisationen als Förderer von bürgerschaftlichem Engagement durch und mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich machen und Impulse für sektorenübergreifende Aktionsformen geben.
Wirkungsmessung von gesellschaftlichem Engagement
Die Methoden zur Wirkungsmessung von gesellschaftlichem Engagement sind in der letzten Zeit dynamisch weiterentwickelt und verbessert worden: Die iooi-Methode der Bertelsmann-Stiftung, das Selbstevaluationstool des CCCD für sektorenübergreifende Partnerschaften, der Ansatz der Phineo AG zur Wirkungsmessung in zivilgesellschaftlichen Handlungsfeldern, die Forschung um den Social Return on Investment (SROI), die u.a. das CSI, Heidelberg, unternimmt, um nur einige Beispiele zu nennen.
Unternehmen ebenso wie öffentliche Zuwendungsgeber und Organisationen des Dritten Sektors brauchen Handreichungen, um die Wirkung des Engagements besser beurteilen und die Programme optimieren zu können und um gezielt und transparent fördern zu können.
Sämtliche Methoden haben ihre Stärken und eignen sich für bestimmte Projekte und Managementanforderungen in besonderer Weise; für andere sind sie weniger geeignet. Sie haben auch ihre Schwächen, die auf weitergehenden Entwicklungsbedarf hinweisen. Und ihre Anwendung birgt auch Risiken, etwa die unbeabsichtigte Steuerungswirkung von Kennzahlen.
BMFSFJ und WIE unternehmen eine systematische Bestandsaufnahme und Auswertung der Methoden, die von Unternehmen und im öffentlichen Sektor zur Wirkungsmessung für ihre Programme angewendet bzw. entwickelt werden. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme im je eigenen Sektor bringen WIE und BMFSFJ in einen gemeinsamen Diskussions- und Auswertungsprozess ein, wobei auch zivilgesellschaftliche Organisationen einbezogen werden, um über gemeinsames Lernen zu gemeinsamen Empfehlungen zu kommen.
Ein sektorenübergreifendes Vorgehen von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bietet die Gelegenheit, die Unterschiedlichkeit in der Zielsetzung der Sektoren, die zu Unterschieden in der Wirkungsmessung selbst führen kann, in dem Lernprozess bewusst zu berücksichtigen, und so zu aussagefähigeren Messmethoden und Indikatoren für alle zu gelangen. Ziel der Zusammenarbeit in diesem Thema ist die Ausarbeitung von Empfehlungen zur Wirkungsmessung. Damit soll vor allem ein Beitrag zum intensiveren Verständnis der Wirkmächtigkeit gesellschaftlichen Engagements geleistet werden.
Über die Ergebnisse der Arbeit der WIE und der Zusammenarbeit mit dem BMFSFJ wird die WIE hier berichten. Ihre Diskussionsbeiträge, Anregungen und Kritik, in diesem Blog oder per E-Mail, sind willkommen.
Zum Download:
Bild: Nach der Unterzeichnung der Erklaerung zur Zusammenarbeit: VertreterInnen der WIE
mit Staatssekretär Josef Hecken.
Bildquelle: BMFSFJ / C. Junghanns
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