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23rd February, 2009
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Publikation: CCCD-Studie "Topmanagement in gesellschaftlicher Verantwortung"

CCCD Today CCCD Today

Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen wird nicht nur von Zivilgesellschaft, Politik und anderen Stakeholdern diskutiert; die Frage nach einer zeitgemäßen und zukunftsfähigen gesellschaftlichen Rolle und Verantwortung der Wirtschaft ist in den Vorstandsetagen der Unternehmen in Deutschland angekommen. Das ist ein Hauptergebnis der Studie „Topmanagement in gesellschaftlicher Verantwortung – Wie Wirtschaftsführer gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“, die das CCCD jetzt vorgelegt hat. Angesichts der aktuellen Finanzkrise ist dies eine wichtige Botschaft, gilt es doch verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Die einfache Formel des „the business of business is business“ (Milton Friedman) ist nicht länger leitend. Vielmehr gilt: „Wir haben neben der Aufgabe, das reine Business zu machen, eine Gemeinschaftsaufgabe“, wie es einer der befragten Unternehmensvorstände formulierte.

Erforderlich ist eine inhaltliche Neubestimmung der gesellschaftlichen Rollen und Aufgaben von Unternehmen. Diese Diskussion muss jetzt geführt werden – mit Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Die befragten Unternehmensvorstände haben in ihren Antworten erste wichtige Beiträge geliefert:

  • Die Umwelt für Unternehmen hat sich derart verändert, dass gesellschaftliche Fragen und Herausforderungen wie z.B. die Qualität des Bildungssystems, der demographische Wandel und Armutsbekämpfung in den engeren Wahrnehmungs- und Verantwortungsbereich der Unternehmen gerückt sind.
  • So nehmen die meisten CEOs für sich und ihre Unternehmen in Anspruch, „Teil der Gesellschaft“ zu sein, der auch Verantwortung für das Ganze trägt. Dabei erwarten sie – um dieser Verantwortung auch gerecht werden zu können – größtmögliche Freiräume, keine Bevormundung sowie eine stärkere Anerkennung ihres gesellschaftlichen Beitrags von Staat, Medien und den Bürgern.
  • Einigkeit herrscht darin, dass gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ein Feld sei, in dem staatliche Reglementierungen und Vorgaben zu unterbleiben hätten. Eine wiederholt geäußerte Befürchtung lautet, als „Lückenbüßer“ für den Sozialstaat, insbesondere bei den Defiziten des Bildungssystems, herhalten zu müssen.
  • Viele Topmanager nehmen wahr, welches Ausmaß und welche gesellschaftliche Relevanz bürgerschaftliches Engagement in Deutschland besitzt, und äußern sich hierzu anerkennend. Als Partner bei der Bearbeitung gesellschaftlicher Herausforderungen allerdings werden zivilgesellschaftliche Organisationen in den Vorstandsetagen in der Regel noch nicht betrachtet.
  • Präsent ist die Zivilgesellschaft für Unternehmensvorstände insbesondere in Gestalt von kritischen Stakeholdern und anspruchsvollen, gut informierten Konsumenten einerseits, und als gemeinnützige soziale Dienstleister andererseits. Ein differenziertes Verständnis von Zivilgesellschaft als eigenständiger Sphäre und/oder als gesellschaftlichem Akteur mit erheblicher politischer Relevanz aber ist bei CEOs kaum vorhanden.
  • Ein weiterer Befund ist von zentraler Bedeutung für den Dialog und die Kooperation mit der Politik: Unternehmensvorstände definieren den Bezugsrahmen und –raum von Engagement und Verantwortung nicht in nationalstaatlichen Kategorien. Auch diejenigen Unternehmen, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben, sehen zwar eine gewisse Verantwortung für die Region; Staatsgrenzen indes spielen kaum noch eine Rolle, da Wirtschafts- und Verantwortungsräume sich danach richten, wo Produktions- und Absatzmärkte, Arbeitskräfte, Zulieferer und andere Stakeholder sind.

Anlage der Untersuchung

Gegenstand der Untersuchung sind die Einstellungen von Wirtschaftsführerinnen und -führern zur gesellschaftlichen Rolle und Verantwortung der Wirtschaft sowie zum gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen und ihr Verständnis von Zivilgesellschaft. Diese Einstellungen bestimmen – so die orientierende Grundannahme – Handlungen und Entscheidungen im Unternehmen und sind somit ausschlaggebend für zukünftige Weichenstellungen innerhalb des Unternehmens sowie gegenüber externen Anspruchsgruppen aus Politik und Zivilgesellschaft. Gleichzeitig bilden die Einstellungen der Wirtschaftselite eine wesentliche Grundlage für die Neubestimmung der Arbeits- und Verantwortungsteilung zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Fünfzehn Unternehmensvorstände wurden in ein- bis zweistündigen leitfadengestützten Einzelinterviews befragt zu

  • ihrer Auffassung von der gesellschaftlichen Rolle und Verantwortung der Wirtschaft,
  • Corporate Citizenship in ihrem Unternehmen und
  • ihrem Verhältnis zur Bürgergesellschaft.

Die Interviews wurden im Sommer 2008 durchgeführt und anschließend systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse werden im Kontext anderer Untersuchungen zu Elitenforschung, gesellschaftlichem Engagement von Unternehmen sowie einschlägiger Medienberichterstattung interpretiert.

Zum Download der Studie "Topmanagement in gesellschaftlicher Verantwortung".

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