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06. November 2015
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Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement im Bundestag diskutiert Unternehmensengagement

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"Unternehmen und Engagementförderung" lautete das Thema der Septembersitzung des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement: Wie entwickelt sich das Unternehmensengagement in Deutschland? Was tun die Unternehmen? Bestehen Hemmnisse? Was kann bzw. sollte die Politik tun, um die Rahmenbedingungen zu verbessern? Das CCCD und das Unternehmensnetzwerk WIE - Wirtschaft. Initiative. Engagement. waren eingeladen, diese Fragen mit den Bundestagsabgeordneten zu diskutieren. 

Was Unternehmen tun? - die meisten denken dabei immer noch an Spenden, die traditionelle Engagementform von Unternehmen, mit der sie ihren Teil zur Finanzierung der Zivilgesellschaft beitragen. Wer jedoch beim Thema Unternehmensengagement zuerst oder gar nur an Geld denkt, der gebe sich - so Peter Kusterer (IBM/WIE) bewusst provokativ - mit den "Krümeln" zufrieden. 
Corporate Citizenship ist mehr und Interessanteres: Unternehmen engagieren sich mit eigenen Projekten, sie organisieren und fördern das bürgerschaftliche Engagement ihrer Mitarbeiter_innen, sie gehen Partnerschaften mit gemeinnützigen Organisationen ein - so die wichtigsten Engagementformen von Unternehmen.
Im Kern bedeutet Corporate Citizenship die strategische Verknüpfung von Unternehmensinteressen mit Gemeinwohlzielen. Und das ist - so weiß man im CCCD aus Erfahrung - mitunter ein Balanceakt, der auch schiefgehen kann: Geht man zu weit in Richtung Unternehmensinteressen, bleibt man im puren Business ohne direkten Gemeinwohlbeitrag, meistens im Marketing, und riskiert die Glaubwürdigkeit des Engagements. Geht ein Unternehmen hingegen zu weit in Richtung Gemeinwohl und vergisst die eigenen Interessen, wird das Engagement zur puren Philanthropie, und auch die ist nicht die Idee von Corporate Citizenship.
Im CCCD hören wir seit vielen Jahren immer wieder zwei "klassische" Vorurteile.
Erstens: "die Unternehmen machen das ja nur, weil sie selbst was davon haben". Das ist richtig und falsch zugleich. Richtig, weil Unternehmen tatsächlich, anders als Stiftungen oder andere Philanthropen, immer auch wirtschaftliche Interessen in das Engagement einbringen. Es muss einen "business case" geben.  Das Vorurteil ist aber zugleich falsch, weil Unternehmen sich eben nicht nur deshalb engagieren. Im Gegenteil: erfolgreich kann Corporate Citizenship nur dann sein, wenn es glaubwürdig ist. Und Glaubwürdigkeit entsteht nur daraus, dass tatsächlich ein Mehrwert für die Gesellschaft geschaffen wird.
Zweitens: Gemeinnützige Organisationen fürchten sich davor, von den Unternehmen instrumentalisiert oder gar "über den Tisch gezogen" zu werden. In der Tat: Unternehmen sind in aller Regel verhandlungsstarke Gegenüber, die wissen, was sie wollen. Und die eine eigene Sprache sprechen, die ich auch erst einmal lernen musste. Es bringt nur nicht weiter, Unternehmen deswegen zu schelten oder gar zu meiden. Damit das "win-win" gelingt, müssen auch die gemeinnützigen Partner definieren, worin ihr "win" liegt, und ihre eigenen Interessen vertreten. Nach meinem Eindruck gibt es hier bei den gemeinnützigen Organisationen noch Entwicklungsspielraum - die Reflexion darüber, welche strategischen Interessen sie in eine Unternehmenskooperation einbringen, hat erst angefangen.
Wünschenswert wäre eine Engagementkultur und "-szene", die die Zurückhaltung gegenüber Unternehmen aufgibt und sie als einen selbstverständlichen Bestandteil einbindet. Mehr Offenheit und Öffentlichkeit für Unternehmensengagement, mehr miteinander reden, nach gemeinsamen, partnerschaftlichen Handlungsmöglichkeiten suchen - da liegt der Weg nach vorn. Wenn gemeinnützige Organisationen Unternehmen nur als Objekt von immer ausgeklügelteren Fundraisingstrategien sehen, hilft dies ebenso wenig weiter wie wenn Politik die Unternehmen erst dann anspricht, wenn ein Förderprogramm ausläuft und Finanziers gesucht werden. Viele Unternehmen, mit denen wir arbeiten, sind es inzwischen leid, immer nur nach Geld gefragt zu werden. Klar, Geld gehört auch dazu, aber bitte im Rahmen einer offenen, kompetenz- und wirkungsorientierten Kooperation!
Engagierte Unternehmen können und wollen ganz eigene Kompetenzen und Ressourcen in die gemeinsame Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben einbringen, über die andere Akteure in dieser Form nicht verfügen: Kompetenzen und Kenntnisse, gut ausgebildete Mitarbeiter_innen, technische Lösungen, Produktinnovationen ... kurz: all das, was sie als Unternehmen ausmacht.
Selbstverständlich bringen sie auch eigene Interessen und Gestaltungsideen ins Engagement ein. Sektorenübergreifende Zusammenarbeit ist deshalb immer auch ein Ringen um die beste Lösung, ein Prozess des Interessenausgleichs und des Aushandelns. Genau darin liegt eine wichtige Gestaltungsaufgabe für Engagementpolitik!
Die "Krümel" können wir getrost den Fundraisern überlassen.

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