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09. Juli 2012
Dr. Susanne Lang
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Kommunale Unternehmen in der Gesellschaft

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Seit Dezember 2011 erhalten ausgewählte Mitgliedsunternehmen des Verbandes kommunale Unternehmen e. V. (VKU) im Rahmen des Projekts "Kommunale Unternehmen: Erfolg mit gesellschaftlichem Engagement" ein modulares Unterstützungsangebot zur Entwicklung und Implementierung einer Strategie für ihr gesellschaftliches Engagement. Durchgeführt wird das Projekt vom CCCD in Kooperation mit dem VKU und der C.O.X. Steuerberatungsgesellschaft und Treuhandgesellschaft mbH. Welche Rolle CSR für kommunale Unternehmen spielt, erläutert dieser Beitrag.

Kommunale Unternehmen sind in der deutschen CSR-Diskussion lange Zeit irgendwie „übersehen“ worden. Mehr noch: „Sind öffentliche Unternehmen denn nicht gerade deshalb ‚öffentlich‘, weil sie Gemeinwohlverpflichtungen erfüllen und quasi ihrer Natur nach gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“? – so die grundsätzliche Überlegung der Herausgeber des jüngst erschienenen Buches über „Corporate Social Responsibility in kommunalen Unternehmen“. Ist CSR also für kommunale Unternehmen überhaupt ein Thema?

In der Tat: die kommunalen Unternehmen müssen im Unterschied zur Privatwirtschaft, insbesondere im Unterschied zu den multinationalen Unternehmen, nicht erst durch den Druck von Stakeholdern (wieder-)entdecken, dass sie Teil der Gesellschaft sind. Dieses Selbstverständnis ist eingelassen in die Struktur und Kultur kommunaler Unternehmen. Sie gewährleisten durch ihre Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Energie- und Wasserversorgung sowie Abfallentsorgung wesentliche Elemente der gesellschaftlichen Infrastruktur in ihrer Region. Sie handeln im öffentlichen Auftrag, der Kommune als (überwiegend alleinigem) Anteilseigner verpflichtet. Und sie sind vielfältig gesellschaftlich engagiert: sie unterstützen unzählige kulturelle, soziale und sportliche Aktivitäten; sie kooperieren mit kommunalen und gemeinnützigen Partnern für mehr Lebensqualität an ihren Standorten; sie engagieren sich für Nachhaltigkeit, in Projekten zu Klimaschutz, nachhaltiger Energieversorgung, Kreislaufwirtschaft u.a. Kurz: sie leisten sowohl mit ihrem Kerngeschäft als auch mit ihrem sonstigen Engagement erhebliche Beiträge zum Gemeinwesen und –wohl.

Die Branche hat jedoch im Zuge der Privatisierungswelle der 90er Jahre und der Zulassung privatwirtschaftlicher Wettbewerber in der Strom- und Gasversorgung sowie in der Abfallwirtschaft strukturelle Veränderungen der Unternehmen und der Märkte durchlaufen. Und unter Bedingungen von marktwirtschaftlichem Wettbewerb stellt sich die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung kommunaler Unternehmen in anderer Weise als früher.

Dieser Wandel zeigt sich auch im gesellschaftlichen Engagement der kommunalen Unternehmen: Als solche sind sie nicht der verlängerte Arm von Kommunalverwaltungen, sondern selbstständige Akteure, die sich mit eigenen Kernkompetenzen und eigenen Interessen ins Gemeinwesen einbringen. So befinden sich viele kommunale Unternehmen im Übergangsprozess von der breit angelegten Philanthropie, die unterschiedlichste gesellschaftliche Belange im lokalen Umfeld unterstützt, zu strategischeren Ansätzen, die Gemeinwohlinteressen mit Unternehmenszielen verbinden und dabei gezielt ihre Kompetenzen als Unternehmen einbringen. Sie sehen in ihrem Engagement neben dem Gemeinwohlbeitrag auch eine Chance, Wettbewerbsvorteile zu erzielen: in der Kundenbindung ebenso wie in der Förderung von Identifikation und Motivation ihrer Mitarbeiter/innen. Und nicht wenige setzen für ihren langfristigen Erfolg als Unternehmen auf ihre besondere Verantwortung für die lokale Gemeinschaft, auf ihre Nähe zu den Anspruchsgruppen, auf ihre Erfahrung als Knotenpunkt in den lokalen Netzwerken und auf ihre Beziehungen zu kommunalen Partnern; eine Vernetzung, die auch besondere Wirkungschancen bei gesellschaftspolitischen Themen wie Energiewende, demografischem Wandel und anderen wesentlichen gesellschaftlichen Entwicklungsaufgaben beinhaltet.

Im Projekt „Kommunale Unternehmen: Erfolg mit gesellschaftlichem Engagement“, arbeiten wir mit kommunalen Unternehmen, die auf ihre besondere Weise auf dem Weg sind zur „nächsten Generation von Corporate Citizenship“ und als Teil der lokalen und regionalen Gesellschaft Mitverantwortung für deren Entwicklungschancen übernehmen, weil sie genau darin die Chance für ihren nachhaltigen Unternehmenserfolg sehen.

Mit dem Projekt, das im Rahmen des Programms „CSR - Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert wird, wollen wir auch dazu beitragen, einen blinden Fleck der CSR-Diskussion und –Praxis auszuleuchten. Unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des CSR-Diskurses, der in der Konzentration auf die multinationalen Konzerne seine eigenen Einseitigkeiten produziert, gibt es vielfältige Formen des Wirtschaftens, die ihre eigenen Gemeinwohlbeiträge leisten und ihre eigene Form von gesellschaftlicher Verantwortung wahrnehmen und in diesem Sinne interessante Perspektivenerweiterungen für die CSR-Diskussion und –Praxis geben können. Die Kommunalwirtschaft ist eine dieser Wirtschaftsformen.
 
Weitere Informationen zum Projekt "Kommunale Unternehmen: Erfolg mit gesellschaftlichem Engagement" biete die Website www.vku.de/csr.

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